Gewinnspiele als Marketing-Maßnahme III: Teilnehmer von Gewinnspielen

Gewinnspielteilnehmer

Teil 3: Die Teilnehmer von Gewinnspielen

Viele Unternehmen kennen zwar ihre Zielgruppe und wissen genau, wer ihre Produkte kauft. Geht es um das Thema Gewinnspiele, wissen jedoch die Wenigsten, wie affin ihre eigene Zielgruppe dafür ist. Dieser dritte und zugleich letzte Beitrag meiner Serie über Gewinnspiele befasst sich nun mit den Teilnehmern von Gewinnspielen.
[Hier geht es zu Teil 1 und Teil 2.]

Alter

Jüngere Konsumenten nehmen wesentlich häufiger an Gewinnspielen als ältere. Besonders bei den Konsumenten unter 20 Jahren ist das der Fall. Je jünger ein Konsument ist, desto wahrscheinlicher ist es, dass er an einem Gewinnspiel teilnimmt. Im Übrigen zeigt sich auch im Vergleich mit ähnlichen Spielformen wie Lotto, Wetten oder Bingo, dass Promotiongewinnspieler immer jünger als die Spieler vieler anderer Glücksspielsarten sind.

Geschlecht

Bei diesem Thema scheiden sich die Geister. Mehrere Studien kommen zu der Erkenntnis, dass Frauen generell häufiger an Gewinnspielen teilnehmen als Männer. Alle übrigen Studien kommen zu dem Ergebnis, dass das Geschlecht gar keinen Einfluss auf die Teilnahme an Gewinnspielen hat. Das hilft in der Praxis zwar nur ein bisschen, aber Frauen nehmen demnach mindestens genau so oft an Gewinnspielen teil wie Männer.

Bildungsniveau

Viele Studien kommen zu dem Ergebnis, dass die Teilnahme an Gewinnspielen negativ mit dem Bildungsniveau der Konsumenten zusammenhängt. Wenn man den Gedanken jetzt weiter verfolgt – naja, Sie wissen schon. Das Schöne an solchen Nachrichten ist, dass sie angenehmer klingen; je nachdem, womit man sie eben vergleicht. Das Bildungsniveau hängt z.B. positiv mit der Teilnahme an Promotiongewinnspielen und negativ mit der Teilnahme an Glücksspielen zusammen. Das ist kein Widerspruch zur obigen Tatsache: es bedeutet bloß, dass Gewinnspieler gebildeter als Glücksspieler sind. Das klingt fies, ist aber so. Die Spieler von Gewinnspielen sind übrigens auch gebildeter als die Spieler der vieler anderer Spielformen, in denen Glück eine Rolle spielt.
Der Bildungsstand eines Gewinnspielers nimmt auch Einfluss darauf, welche Art von Gewinnspielen er lieber spielt. Personen mit Abitur ziehen Leistungsgewinnspiele mit Geld- oder Sachpreisen vor. Personen mit Realschulabschluss spielen dagegen lieber Glücksgewinnspiele. Das lässt sich psychologisch dadurch erklären, dass Personen mit höherem Bildungsniveau größere Erfolgsaussichten bei Leistungsgewinnspielen haben. Gymnasiasten werden möglicherweise intrinsisch motiviert, wenn sie an Leistungsgewinnspielen mit hohen Anforderungen teilnehmen. Gewinnen sie Letztere, wirkt sich das wiederum positiv auf ihre Einstellung zu Leistungsgewinnspielen aus. Realschüler schätzen dagegen vielleicht ihre eigenen Erfolgschancen geringer ein. Bei der Teilnahme an einem Glücksgewinnspiel können sie den Zufall oder Pech für eventuelle Misserfolge beim Gewinnspiel verantwortlich machen. Da der Erfolg bei Leistungsgewinnspielen jedoch überwiegend von den eigenen Fähigkeiten abhängt, kann ein Misserfolg nicht äußeren Umständen zugeschrieben werden, sondern wird möglicherweise intern attribuiert. [Heißt, das Selbstwertgefühl leidet darunter.] Diese unangenehme Situation versuchen manche Teilnehmer zu vermeiden, indem sie grundsätzlich nicht an Leistungsgewinnspielen teilnehmen. Für Konsumenten mit hohem Bildungsstand sind neben ihrer Präferenz für Leistungsgewinnspiele auch die Art der Aufgabenstellung, der Zeitaufwand sowie die Höhe und Gesamtverteilung der Preise entscheidend. Konsumenten mit niedrigem Bildungsstand tendieren dagegen eher zu Gewinnspielen mit hoher Interaktivität.

Einkommen und Beruf

Neben den bisher genannten Faktoren können auch die berufliche und finanzielle Situation Einfluss auf die Teilnahme an Promotiongewinnspielen nehmen. Arbeitslose nehmen beispielsweise im Durchschnitt häufiger an Gewinnspielen teil als Berufstätige. Bezüglich des Einflusses des Einkommens herrscht allerdings weitgehend Uneinigkeit. Vor dem Hintergrund, dass die Teilnehmer von Gewinnspielen im Durchschnitt sehr jung sind und keinen hohen Bildungsabschluss haben, haben diese allerdings auch häufig ein niedrigeres Einkommen als manche andere Gruppen.

Weitere demografische Einflüsse

Sowohl Frauen als auch Männer tendieren umso mehr zu Gewinnspielen, je näher sie am Stadtzentrum wohnen. Auch die familiäre Situation spielt eine Rolle. Personen mit Kindern unter 16 Jahren nehmen etwa doppelt so häufig wie kinderlose Personen teil, und allein schon mit steigender Haushaltsgröße nimmt das Interesse an Gewinnspielen zu.

Motivation

Geld und hochwertige Sachpreise zählen zu den beliebtesten Preisen, weil Geldmotive und Materialismus im weiteren Sinne die beiden stärksten Motive für die Teilnahme an Promotiongewinnspielen sind. Mit hohen Geldpreisen erreichen Sie also viele Teilnehmer, aber glauben Sie bitte nicht, dass diese Teilnehmer später auch zwingend zu zahlenden Kunden werden.
Materialismus tritt zudem häufig zusammen mit einer starken Gegenwartspräferenz auf. Darüber hinaus ist die Sensationslust ein Motiv für die Teilnahme an Promotiongewinnspielen.

Interessen und Einstellungen

Gewinnspiele und Glücksspiele haben viele Gemeinsamkeiten, und auch die Teilnehmer sind einander sehr ähnlich: Glücksspieler haben häufig auch ein ausgeprägtes Interesse an Gewinnspielen. Daneben sind die Teilnehmer von Gewinnspielen allgemein aufgeschlossener als andere gegenüber Verkaufsförderungsmaßnahmen im Allgemeinen.

Wenn Sie das nun alles beachten, erreichen Sie dann hohe Teilnehmerzahlen, wenn Ihre Zielgruppe folgende Eigenschaften hat:

  • Jung, idealerweise ? 20 Jahre
  • Überwiegend weiblich
  • Mittleres Bildungsniveau
  • Arbeitslos
  • Wohnt im Stadtzentrum
  • Großfamilien mit Kindern
  • Materialistisch geprägt
  • Evtl. Interesse an Glücksspielen und anderen Verkaufsförderungsmaßnahmen

Spaß beiseite: das ist natürlich Quatsch! Solche drastischen Schlüsse darf man daraus nicht ziehen.
Im Umkehrschluss kann man allerdings eine bestimmte Konsumentengruppe zumindest genauer eingrenzen, die sehr wahrscheinlich ansprechbar für Gewinnspiele als Marketingmaßnahme ist.

Hier finden Sie abschließend noch einmal die beiden vorherigen Teile der Serie:
Gewinnspiele als Marketing-Maßnahme I: Gestaltung, Wirkungen und Teilnehmer
Gewinnspiele als Marketing-Maßnahme II: Wirkungen von Gewinnspielen

Abgelegt unter 11. Juni 2010 in Erfolgsfaktoren und Ergebnisse, Gewinnspiele, Sales, Werbung

Teilen Sie den Artikel

Über den Autor

Sonja Gottschalk ist freiberufliche Beraterin für effizientes Marketing und profitable Online-Geschäftsmodelle. Sie ist Diplom-Kauffrau mit den Schwerpunkten Marketing, Medienmanagement und Wirtschaftspsychologie. Davor hat sie bei Unternehmen wie z.B. SUPER RTL oder C&A Erfahrungen in verschiedenen Managementpositionen in den Bereichen Online Marketing, Online Product Management, Business Development, Beratung, Country Management und Marketingleitung gewonnen.

Reaktionen (4)

  1. Chris
    7. August 2010 at 23:55 · Antworten

    Eine sehr interessanter Artikel, habe alle 3 Teile gelesen und einiges wissenswerte dazu gelernt! Das Gewinnspielteilnehmer einen höheren Bildungsgrad haben hätte ich so nicht gedacht.
    Sind sehr interessante Ansätze zur Zielgruppen Definition dabei, mal schauen was man mit diesen in der Praxis anfangen kann!
    Danke!

  2. Ynnor
    16. August 2010 at 11:47 · Antworten

    Ein wirklicher guter Artikel. Nehm ich für die Uni, dankeschön.

    • Sonja Gottschalk
      16. August 2010 at 11:59 · Antworten

      Danke, freut mich!

  3. […] Sie Facebook-Ads. Planen Sie immer auch ein gewisse Budget für Werbeanzeigen ein. Zielgruppengerecht ein­ge­setzt erhö­hen diese ihre […]

Diskutieren Sie mit.

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Sie können folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Back to Top